Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen längst mehr als nur ein Zukunftsthema. Der Weg von der ersten Idee bis zum konkreten Einsatz ist dabei so individuell wie das Unternehmen selbst. Während einige Betriebe noch nach dem passenden Einstieg suchen, zeigen andere bereits, wie sich KI nahtlos in bestehende Prozesse integrieren lässt.
Praxisbeispiel: Outdooractive denkt KI strategisch
Ein gutes Beispiel liefert Hartmut Wimmer von Outdooractive, einem Anbieter digitaler Plattformlösungen für den Tourismus. Schon früh setzte das Unternehmen auf Daten und digitale Infrastruktur. Doch der eigentliche Wendepunkt kam mit der wachsenden Bedeutung von KI im Alltag. Wimmer berichtet, dass die Technologie zunächst unterschätzt wurde, bis sie gezielt ins Geschäftsmodell integriert wurde – zunächst in einzelnen Tools, dann als umfassender Service. Heute spricht er nicht mehr nur von einem „KI-Team“, sondern von einer strategischen Kompetenzentwicklung im gesamten Unternehmen.
Kleine Schritte führen zum Ziel
Diese Entwicklung verlief nicht sprunghaft, sondern Schritt für Schritt. Erst wurden einfache Prozesse automatisiert, etwa die Strukturierung von Inhalten. Später kamen komplexere Anwendungen dazu, wie semantische Analysen oder personalisierte Empfehlungen für Nutzer. Der Schlüssel: ein klares Verständnis davon, wo KI echten Mehrwert bringt – und wo nicht.
KI als Tool, nicht als Ersatz
Auch bei Rohde & Schwarz in Memmingen wird KI gezielt in den Produktentwicklungsprozess eingebunden. Dort liegt der Fokus nicht auf dem Hype, sondern auf konkreten Anwendungen, die sich in bestehende Systeme einfügen. KI soll Prozesse unterstützen, nicht ersetzen. Eine Perspektive, die sich durch viele erfolgreiche Umsetzungen zieht.
Der ideale Einstieg: ein realer Use Case
Die Erfahrungen zeigen: Es geht nicht darum, die eine perfekte KI-Lösung zu finden. Vielmehr sollten Unternehmen mit einem realistischen Anwendungsfall starten – idealerweise dort, wo bereits Daten vorhanden sind. Ein typisches Beispiel ist die Entlastung von Mitarbeitenden bei wiederkehrenden Aufgaben. Das kann das Erstellen von Protokollen sein, das Formulieren von E-Mails oder das Auswerten von Kundenfeedback.
Eigenentwicklung als Vorteil: Das Beispiel Hochland
Ein weiteres Beispiel liefert Hochland, wo eigene Sprachmodelle für die interne Weiterbildung entwickelt wurden. Ziel war es, Wissen im Unternehmen besser zugänglich zu machen und Mitarbeitende gezielt zu unterstützen. Statt externe Lösungen zu nutzen, entschied man sich bewusst für eine Inhouse-Variante – aus Gründen der Datenhoheit und Sicherheit. Ein Weg, der besonders für mittelständische Unternehmen mit sensiblen Informationen interessant ist.
Mitarbeitende mitnehmen – von Anfang an
Wichtig ist auch, die Mitarbeitenden frühzeitig mitzunehmen. Denn KI verändert nicht nur Prozesse, sondern oft auch Rollen und Zuständigkeiten. Wer es schafft, die Chancen klar zu kommunizieren und Ängste abzubauen, legt den Grundstein für eine breite Akzeptanz. „Schritt eins ist immer, den Mitarbeitenden die Angst vor der Arbeit mit KI zu nehmen“, sagt Prof. Jens Kolb von der Hochschule Neu-Ulm.
Empfehlung: Erst verstehen, dann umsetzen
Er empfiehlt Unternehmen, mit einem konkreten Workshop zu starten – etwa zur Identifikation geeigneter Use Cases oder zur Einschätzung von Potenzialen. Dabei gehe es nicht um fertige Lösungen, sondern darum, gemeinsam zu lernen, wie KI im eigenen Betrieb funktionieren kann.
Fazit: KI erfolgreich integrieren ist kein Zufall
Der erfolgreiche Einsatz von KI beginnt mit einem klaren Ziel, einem realistischen Anwendungsfall und dem Mut, klein anzufangen. Wer Prozesse, Menschen und Technologie dabei zusammenbringt, hat gute Chancen, KI dauerhaft als Werttreiber im Unternehmen zu etablieren.

